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Durchschnittseinkommen in der Türkei

Seit 2003 erlebt die Türkei einen wirtschaftlichen Boom, aber die positiven Wirtschaftszahlen kommen nicht bei den Verbrauchern an. 10,2 % Wachstum 2010, ca. 8,5 % 2011 – aber selbst das Zugpferd „Tourismus“, das neue Arbeitsplätze in der Bauindustrie und in den touristischen Destinationen schafft, vermag es nicht, wenigstens in diesen Branchen ein akzeptables Einkommensniveau herzustellen.

Im Gegenteil: Laut Statistikinstitut der Türkei (TÜKIK) leben 16,9 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, weitere 18,9 % nur knapp darüber. Damit ist mehr als ein Drittel der Türken von Armut betroffen. Wie stark diese Relation sich zudem noch von den deutschen Vorstellungen unterscheidet, zeigt sich an der Definition der Armutsgrenze in Deutschland. Die liegt etwas unter 1.000 Euro. Mit dieser Summe als Lohn wäre ein türkischer Arbeitnehmer ein gut verdienender Mann.

Das Durchschnittseinkommen in der Türkei fällt unter die deutsche Armutsgrenze

Nach Angaben des TÜKIK betrug das Durchschnittseinkommen der Türken im Jahr 2010, ausgewiesen als Pro-Kopf-Einkommen eines türkischen Haushalts, 22.630 Türkische Lira, also etwa 9.000 Euro im Jahr. Immerhin deckt sich diese Zahl mit den Angaben des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, das 10.630 US-Dollar für das gleiche Jahr angibt. Auch das Internet-Portal „deutsch-tuerkische-nachrichten.de“ verwendet diese Angaben.

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Der Verweis auf übereinstimmende Quellen ist deshalb so wichtig, weil die unterschiedlichsten Angaben zu diesem Thema kursieren. Aus anderer Perspektive betrachtet, z.B. der Erhöhung der Steuereinnahmen, wird gern der Boom bejubelt, ohne auf das extrem niedrige Lohnniveau einzugehen. Laut einer Studie der GfK soll sich die Kaufkraft der Türken zwischen 2002 und 2008 verdreifacht haben – man mag das zugrunde liegende Niveau gar nicht definieren.

Das Einkommensgefälle in der Türkei

Die Unterschiede beim Einkommen in der Türkei sind so groß, dass die Frage der Benachteiligung der Frauen schon gar keine Rolle mehr spielt. Zwischen dem offiziellen Mindestlohn, der nach Angaben des Auswärtigen Amtes der BRD 2012 auf 887 Türkische Lira brutto (also etwa 390 Euro) festgesetzt wurde, und den gut verdienenden Berufen in der Türkei (Ärzte, Apotheker) liegen 800 % Unterschied. Den offiziellen Mindestlohn aber beziehen die meisten Arbeiter in den Bereichen Industrie, Landwirtschaft und Handwerk.

Noch dramatischer werden die Unterschiede, wenn es um die ländlichen Regionen im Osten der Türkei geht. Nach der bereits erwähnten GfK-Studie verfügen die Einwohner in den zehn ärmsten Regionen nur über eine durchschnittliche Kaufkraft von knapp 750 Euro. Damit lägen diese türkischen Bürger nur bei etwa zehn bis 15 Prozent des Durchschnittseinkommens. In der Provinz Istanbul dagegen konzentriert sich 28 Prozent des gesamten verfügbaren türkischen Einkommens.

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